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Anke Müller

Oktober 2007:
Beginn: Viel Kommunikation!!! Das freie Sprechen über meine Vorstellungen meiner Idee, ist mir vor der Gruppe schwer gefallen. Die Ideen zur Selbstständigkeit waren noch sehr grob, d.h. noch nicht konkret, hatte teilweise gar keine.

November 2007:
Länger dauerndes freies Sprechen bereitet mir immer noch Schwierigkeiten – mein Selbstbewusstsein lässt zu Wünschen übrig.
(Gedankenpunkt: wird bestimmt auch noch eine Weile so gehen – Hoffentlich bekomme ich diese "Blockaden" bald in den Griff.)
Konfliktmoderation fand ich ein sehr interessantes Thema. Das ganze Leben besteht daraus – Hintergrundwissen hilft hier, um daran zu arbeiten, es einzustufen und eine Lösung zu finden. Mein Denken ist in vielen Dingen sehr kompliziert, ich versuche alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, um die Fehler so gering wie möglich zu halten. Weiss auch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, wie ich mein "Projekt" realisieren soll!!!
Zukunftwerkstatt – war eine sehr interessante Erfahrung – Dozenten waren sehr nett und auch sehr locker und zum Teil hat mich dieses motiviert. Hier war die künstlerische Strecke gefragt. Utopische Gedanken zu haben, sich Dinge vorzustellen, die sowieso nicht eintreten, haben mir Probleme bereitet. Ich bin ein realistischer Mensch.
Vertragsrecht war auch sehr informativ. Aber die vielen Verpflichtungen und Kosten schrecken mich sehr ab. Man muss an so vieles Denken und soviel beachten (priv. KV, RV u.s.w.)

Dezember 2007:
Vertriebsschulung, keine Frage, dass dies sehr wichtig ist. Ist ein gutes Training, um sich und seine Produkte gut zu vermarkten. Macht mir trotzdem viele Probleme, da ich das nie konnte, musste und wollte. Ich finde dies aufdringlich und sehr überheblich, sich ständig bei den Kunden so hervorzuheben. (Gedankenpunkt: Dozent für die Vertriebsschulung ist sehr penetrant aber höflich, wäre kein Job für mich!!!)
Verhaltenstraining und Biographiearbeit, werde bei jeder Präsentation Herzflattern haben, aber ich denke mit der Zeit wird es immer besser. "Die Hoffnung stirbt zuletzt." (Gedankenpunkt: habe vor, bei den Tagesreisen als Reisebegleiter zu agieren. Fange langsam an, konkrete Vorstellungen zu bilden.)
Ziele sowie Stärken und Fähigkeiten von mir zu finden, fällt mir schwer. Kann mich selbst nicht einschätzen, ohne mich zu überschätzen (mir fehlt noch mehr Selbstbewusstsein). (Gedankenpunkt: das ist ein Punkt, an dem ich unbedingt noch arbeiten muss – weiss nur nicht so richtig wie???)

Januar 2008:
Hier ging es mir nicht so gut, die Praxis rückt immer näher und ich kann nicht ewig für mich selber Ausreden finden – du hast noch Zeit. Möchte am liebsten aufhören, kann es aber nicht. (Gedankenpunkt: Aufgeben ist nicht!!! Ich habe damit angefangen, also muss ich es auch beenden, bzw. weitermachen.
Mein Motto: Am Ende wird alles gut und wenn nicht, dann ist es noch nicht das Ende!

Februar 2008:
Die konsequente Arbeit am B-Plan hilft mir sehr. Das Gespräch mit Herrn Wiedemann am 07.02.08 im Schutzbund der Senioren und Vorruheständler Thüringen e.V. ist besonders gut gelaufen. Der Mann hat mir seine Unterstützung zu gesagt und auch schon konkrete Reiseziele vorgeschlagen, das was mir gefehlt hat. Bis heute wusste ich noch nicht genau, wohin mein erster selbst erstellter Ausflug hingeht. Außerdem hat er mich sehr motiviert und mich auch keineswegs unter Druck gesetzt. Entweder es wird - gute Organisierung und Vorbereitung des Ausfluges vorausgesetzt - oder es wird nicht. Auch hier steht wieder ganz groß: Aufgeben ist nicht, dann wird es eben beim nächsten Mal.

März 2008:
Vorbereitung für den ersten Ausflug am 24.04.08 nach Ruhla in den „mini-a-tür“-Park ist in vollem Gange. Ich erstelle meine Werbung, d.h. Flyer, Aushänge, Präsentation zur Reise selber. Macht riesig Spaß, nimmt natürlich auch sehr viel Zeit in Anspruch. Habe auch Verbindungen zu den Seniorenclubs aufgenommen, die aber leider fast alle selber ihre Reisen organisieren. (Gedankenpunkt: Hoffe das es klappt, was mache ich, wenn ich nicht die Mindestteilnehmerzahl zusammen bekomme???)
Die Vorbereitung und Organisation hat mich ganz schön viel Energie gekostet!!!

April 2008:
Die Reise findet statt!!! Ich habe 45 Teilnehmer. Jetzt heißt es noch mal Vorbereitung, da ich ja auch die Reisebegleitung mache. Infos über die Orte, Ruhla, Bad Liebenstein und Trusetal sammeln. Am 10.04.08 fahre ich die Reiseroute mit Herrn Wiedemann ab, um vorher die Strecke schon mal gesehen zu haben und die Gaststätte abzuchecken. (Gedankenpunkt: Habe zu geschichtlichen Ereignissen noch wenig Wissen.)
Der Tag kam, es waren dann 47 Fahrgäste, die mitfuhren. Ich war den ganzen Tag sehr unter Spannung, trotz der Hilfe von Herrn Wiedemann. Ihn hatte ich als Dank für seine Hilfe zu dieser Fahrt eingeladen.
Der Tag war sehr gelungen, alle waren zufrieden – bis sehr zufrieden, nur ich hätte einfach nur heulen können. Gefühlsmäßig weiss ich es nicht einzuordnen, alles hat gut geklappt, nur freuen konnte ich mich nicht! Keine Ahnung warum!!!

Mai 2008:
Die zweite Reise steht nun an. Es geht zu den "Dornburger Schlössern". Hier das gleiche Prinzip. Eine Selbsthilfegruppe hat sich für diesen Ausflug interessiert, so dass ich nicht gar so viel Werbung machen musste. Wir sind die Strecke wieder vorher abgefahren.
Ich hatte 38 Teilnehmer bei der Fahrt. Diesmal habe ich ein gutes Gefühl gehabt. Mir war nicht zum Heulen zu Mute. Der Ausflug war nicht perfekt, aber gut. Nächste Ausflugsziele existieren schon zum Teil konkret und zum Teil fiktiv.

Heidrun Harz

September 2007:
Ja Klasse, ich freue mich, in einem solchen Projekt gelandet zu sein. Durch dieses Projekt werde ich ganz sicher für meinen Business-Plan professionelle Hilfe erhalten.

Oktober 2007:
Mit der Zukunftswerkstatt wird das Projekt eröffnet. Das macht viel Spaß mit den Dozenten. Sie sind offen und die Themen interessieren mich, z.B.:
Was sind unsere Träume und Wünsche?
Selbstbild / Fremdbild, Rollenspiele und vieles mehr.

Januar 2008:
Die Wochen vergehen. Allgemeines Wissen für angehende Selbstständige werden vermittelt, wie z. B. Büroorganisation, Vertragsrecht, Schuldnerberatung, Buchführung, Konzeptentwicklung, PC-Kurs mit Logoentwicklung, Soziologie, Vertriebswege, Aufsetzen von Geschäftsbriefen. Weiterhin sehr interessante Themen mit guten Dozenten, wie Verhaltenstraining / Biografiearbeit, Wahrnehmungsprozesse, Krisenkompetenz, Mediation usw. ...

April 2008:
Es sind schon einige Sachen dabei, die mich interessieren und mir auch gefallen, aber so richtige Hilfe brauch’ ich für meinen Business-Plan, das wäre mir wirklich wichtig. Nun scheint es endlich an die Planung zu gehen. Die allgemeinen Erläuterungen helfen mir nicht wirklich. Nun gut, der Dozent wird ganz bestimmt noch konkretere Hilfestellung geben.

Leider kommt kein hilfreicher Anhaltspunkt für mich. Wo und wie finde ich nun eine wirkliche Hilfe. Schließlich will ich endlich bald mal diesen bürokratischen Kram hinter mich bringen, um mich auf meine eigentliche Arbeit konzentrieren zu können.

Mai 2008:
Zwei Freundinnen, die sich kürzlich auch selbstständig gemacht haben, geben mir ihren Business-Plan. Super, jetzt bekomme ich doch noch unerwartet Hilfe. Ich bin voll begeistert. Nach kurzer Zeit steht mein Plan. Das war eine echte Hilfe. Gute Freunde sind immer wichtig.

Juni 2008:
Konstruktive Hilfe vom Coach kann ich leider nicht erwarten, bisher nur das Gegenteil, obwohl ich ihn und sein Wissen wertschätze. Jetzt halte ich Ausschau was zu tun ist und nehme alles selbst in die Hand. Ich schaffe das schon, auch ohne den Coach. Ich will endlich Vorankommen und fertig werden. Das Leben schickt mir schon im richtigen Augenblick die richtige Hilfe, wie auch immer.

Die Wege, die ich jetzt zu gehen habe sind: Arbeitsagentur, IHK, GfAW, Gesundheitsaufsichtsbehörde wegen Genehmigung meines Praxisnamens, Gewerbeamt, Steuerberater, Autoversicherung, verschiedene Autohäuser, neuen Telefon- und Internetvertrag, Geschäftstelefon dabei berücksichtigen. Zur Sparkasse wegen Eröffnung eines Geschäftskontos und einem Existenzgründerkredit muss ich auch gehen. Ich bekomme das schon hin.

Treffen mit einer Supervisionsgruppe, Gründerstammtisch, Freiberufler-Treff und die GfK-Gruppe (Gewaltfreie Kommunikation) sind für mich ebenfalls interessant und eventuell eine gute Möglichkeit für neue anregende Kontakte. Mal sehen wie es sich ergibt.

Jetzt sind einige Hürden genommen. Positive Stellungsnahme von der IHK und die Gewerbeanmeldung habe ich jetzt. Mein Praxisname wurde auch genehmigt. Das ist schon mal sehr gut. Die nächsten Herausforderungen stehen an. Ich glaube, das Leben macht Scherze, zum Verschnaufen bleibt mir wohl gar keine Zeit. Hallo, bleib ganz ruhig, Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag gebaut. Verschnaufen, nachdenken und auf ein Neues. Jetzt geht es um einen Kredit für ein gebrauchten Firmenwagen und eine mir wichtige Ausbildung. Wie finanziere ich das? Wie umfangreich will bzw. kann ich mir diese Ausbildung leisten und welche Schule ist für mich die richtige? In der Ausbildung steckt alles drin, was mich begeistert und sie sichert mir außerdem meine zukünftige Existenz. Teile dieser Ausbildung hab ich bereits, aber nicht in diesem komplexen Umfang. Das ist nicht leicht, aber da muss ich durch. Am allerbesten hol’ ich mir erst mal viele, viele Informationen ein, bevor ich mich entscheide, so viel Zeit muss sein.

Juli 2008:
Resümee: Für mich war die Zeit im XENOS-Projekt wertvoll, auch wenn ich in verschiedenen Dingen abweichender Meinung und Ansicht war. Aber das halte ich für völlig normal. Denn jeder kommt wo anders her und will wo anders hin. Da wären unterschiedliche Herangehensweisen wichtig, aber nicht immer möglich. Deshalb wurde mir einmal mehr bewusst, wie wichtig es ist, zu sich selbst zu stehen, an sich zu glauben und seine Meinung zu vertreten, auch auf die Gefahr hin, mit der Meinung allein da zu stehen. Das hat mir dieses Projekt erneut verdeutlicht, dafür bin ich dankbar. In meinem Beruf benötige ich größtmögliche Selbstsicherheit und Verständnis dafür, dass jeder Mensch anders sein darf und es durch seinen Entwicklungsweg sogar sein muss. Vielen Dank allen Dozenten und sonstigen Mitwirkenden.

Ganz wichtig: Großes Dankeschön an Frau Vogt, die wenn es nötig ist, ein offenes Ohr hat, einen ermutigt und unterstützt auf verschiedene Art und Weise. Sie ermöglichte mir z. B. eine sehr schöne Anzeige in der Ersten Erfurter Straßenzeitung BRÜCKE in Zusammenarbeit mit Frau Fleischmann und einen Arbeitsauftrag.

Großen Dank auch an Steffen Hartmann und seine Mitarbeiterin Steffi Hartwig von der Werbeagentur Das Weiße Fenster - Ideenschmiede - für das tolle Logo und die super gelungene Flyergestaltung.

Anke Geiger

Offen für Hinweise
Herr B. ist 37 Jahre alt und lebt nach einer erfolgreich abgeschlossenen Entwöhnungs-behandlung seit knapp zwei Jahren in einer betreuten Wohngruppe für Suchtkranke. Die Ausbildung zum Montageschlosser hat er abgebrochen, da er zu dieser Zeit schon starke Alkoholprobleme hatte. Herr B. hat trotz seiner Abhängigkeit vielfältige berufspraktische Erfahrung gesammelt. Er arbeitete als Betriebshandwerker, Transportarbeiter, Lagerarbeiter und Bauhelfer. Begründet wurden die Kündigungen häufig mit seinem Alkoholkonsum.
Herr B. kommt seit drei Monaten ins XENOS-Projekt. Zu Beginn arbeiten wir seine berufspraktischen Erfahrungen heraus. Diese dienen einerseits als Grundlage für die Erstellung eines aktuellen, aussagekräftigen Lebenslaufs. Andererseits um herauszufinden, welche beruflichen Perspektiven Herr B. anstrebt. Er möchte gern als Hausmeister oder Bauhelfer arbeiten. Auch eine Tätigkeit in der Metallbearbeitung wäre für ihn vorstellbar.
Herr B. wirkt zurückhaltend, ein leichter Sprachfehler erschwert ihm die Kontaktaufnahme. Um sein Selbstbewusstsein aufzubauen, visualisiere ich die Stärken und Fähigkeiten, die in seinen Arbeitszeugnissen genannt wurden und bekräftige dies durch meine eigenen Eindrücke. Herr B. ist stets pünktlich, zuverlässig und kooperativ.
Um eine Arbeit zu finden, hat er sich bereits bei einigen Zeitarbeitsfirmen vorgestellt. Bislang jedoch ohne Erfolg. Da er zugibt, bei Vorstellungsgesprächen unsicher zu sein, vereinbaren wir einen gemeinsamen Termin bei einer Zeitarbeitsfirma. Insgesamt läuft das Gespräch gut. Kleine Ungeschicklichkeiten, beispielsweise, dass man sich vorstellt oder nicht mit der Hand am Mund spricht, reflektieren wir anschließend. Herr B. ist offen und dankbar für Hinweise. Aus diesem Vorstellungsgespräch ergibt sich tatsächlich ein Jobangebot. Herr B. bekommt einen Anruf und erfährt, dass er in fünf Tagen eine Montagetätigkeit in Stuttgart beginnen könnte. Er lehnt das Angebot ab. In unserem nächsten Gespräch stellt sich heraus, dass ihm das zu kurzfristig gewesen sei, da er nach seinem Umzug noch einiges klären müsse. An der Tätigkeit an sich oder der Montage hätte es nicht gelegen. Ich erkläre der Arbeitgeberin die Situation und bitte sie um Verständnis. Herr B. bekommt eine 2. Chance und kann umgehend eine Beschäftigung über die Zeitarbeitsfirma aufnehmen.

Englischkurs gesichert
Frau W. ist 45 Jahre alt, lebt allein und ist seit zwei Jahren Arbeit suchend. Ihren erlernten Beruf als Floristin kann sie aufgrund einer Allergie nicht mehr ausführen. Nach einem Unfall vor fünf Jahren kann sie auch in ihrem umgeschulten Beruf als Einzelhandelskauffrau nicht mehr arbeiten.
In unseren Gesprächen stellt sich heraus, dass sie grundsätzlich gern im Bereich Spedition, Handel, Logistik bleiben würde. Doch auch die Tätigkeit bei einem Sicherheitsdienst kann sie sich vorstellen, da sie bereits für einen solchen gearbeitet hat. Als weitere Option käme eine Weiterbildung in Richtung Finanzbuchhaltung/Steuerwesen für sie in Frage. Bei einer Infoveranstaltung der Agentur für Arbeit erfährt sie von einer Weiterbildung zum SAP-Spezialisten (Buchhaltung/Rechnungswesen). Gemeinsam erstellen wir die Bewerbungs- unterlagen. Frau W. bekommt tatsächlich die Zusage für die Weiterbildung. Mittlerweile hat sie jedoch Arbeit gefunden. Sie wurde als Mitarbeiterin im Sicherheitsdienst in einem Museum angestellt. Der Chef der Sicherheitsfirma will sie jedoch in Kürze zu einem Softwarehersteller versetzen. Hierfür braucht Frau W. Englischgrundkenntnisse. Im Moment arbeiten wir daran, einen geeigneten Bildungsträger bzw. Dozenten zu finden und die Finanzierung zu sichern. Es dauert Wochen, aber dann bekommen wir eine Zusage vom Integrationsamt, das den Englischkurs finanziert.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Herr A. ist 41 Jahre alt und lebt in Erfurt. Nach einer abgeschlossenen Ausbildung als Lagerarbeiter hat er bis 1991 in diesem Bereich gearbeitet. Seitdem ist Herr A. arbeitssuchend. In den 1990er Jahren war er drei Mal als Grünanlagenpfleger im Rahmen einer ABM beschäftigt. Zudem absolvierte Herr A. eine einjährige Weiterbildung im Garten- und Landschaftsbau und eine ebenfalls einjährige Schulung im Metallbereich.
Zu Beginn arbeiteten wir seine berufspraktischen Erfahrungen heraus, um einen aktuellen Lebenslauf zu erstellen und berufliche Perspektiven sichtbar zu machen. Herr A. würde gern wieder im Lager- und Transportbereich arbeiten. Doch auch eine Tätigkeit als Grünanlagenpfleger oder Reinigungskraft wäre für ihn vorstellbar.
Herr A. hat sich bei über 40 Zeitarbeitsfirmen in Erfurt vorgestellt, jedoch bislang ohne Erfolg. Die Gründe hierfür sehe ich in einem teils ungeschicktem Verhalten von Herrn A., der den Zeitarbeitsfirmen beispielsweise Vorschläge macht, in welchen Firmen sie ihn einsetzen könnten. Teils liegt es aber auch an unrealistischen Vorstellungen bezüglich der eigenen beruflichen Qualifikation und Einsatzmöglichkeiten. Ich bespreche mit Herrn A. die Möglichkeit eines Praktikums, damit er nach 17 Jahren Arbeitslosigkeit einen Einblick bekommt, wie Lagerwirtschaft heutzutage aussieht. Er ist wenig begeistert von meinem Vorschlag und meint, das würde ihm nichts bringen. In der weiteren Zusammenarbeit mit Herrn A. wird es vor allem darum gehen, realistische Ziele zu entwickeln und seine sozialen Kompetenzen zu stärken.

Bemühen um realistische Sichtweise
Herr F. ist 47 Jahre alt und seit zwei Jahren Arbeit suchend. Nach einer Ausbildung zum Motorenschlosser für Landtechnik war er zwei Jahre in diesem Bereich tätig. Anschließend war er knapp zehn Jahre bei der Armee. Nach der Wende arbeitete er bei einer Reinigungsfirma. Seit dieser Zeit hat er Probleme mit den Knien und der Halswirbelsäule und kann keine körperlich schweren Arbeiten mehr ausführen. Aus diesem Grund absolvierte Herr F. eine Umschulung zum Bürokaufmann. Bislang klappte es jedoch noch nicht mit einer Anstellung in diesem Bereich. Herr F. verfügt über gute Kommunikationsfähigkeiten. Meine Hinweise zu seinen Bewerbungsunterlagen setzt er selbständig um. Er ist jedoch wenig offen für eine intensive Zusammenarbeit. Herr F. kann sich nur schwer auf andere Methoden, abseits von Gesprächen, einlassen. Zudem lässt er sich ungern „in die Karten schauen“. Das Angebot, einen möglichen Arbeitgeber in meiner Anwesenheit anzurufen, lehnt er ab. Unterstützungsbedarf äußert er auf mein Nachfragen nur bei der Stellensuche und bei der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche.
Wir besuchen gemeinsam die Zeitarbeitsmesse der Agentur für Arbeit. Herr F. kommt mit einigen Firmen ins Gespräch und füllt deren Personalbögen aus. Leider konnte er die geknüpften Kontakte im Nachhinein nicht für sich nutzen. Er suchte keinen weiteren Kontakt zu den bereits bekannten Firmen, obwohl wir besprochen hatten, dass er ihnen seine Bewerbungsunterlagen zukommen lassen sollte. Im Mittelpunkt der weiteren Zusammenarbeit mit Herrn F. steht die Arbeit an seiner Motivation und Vorgehensweise. Er sollte lernen, „am Ball zu bleiben“. Der Besuch der Messe ist solch’ ein aktiver Schritt, der ohne Intervention des Headhunters sicher nicht zustande gekommen wäre.

Katharina Türk

Anregen und Unterstützen
Seit Anfang April 2008 arbeite ich mit Herrn B. zusammen. Der ehemals drogenabhängige junge Mann lebt zur Zeit in einer Adaptionseinrichtung, einer Art betreutes Wohnen, in welcher er an einer therapeutischen Nachsorge teilnimmt. Nach seinem Hauptschulabschluss folgten zwei Langzeittherapien und eine abgebrochene Lehre als Maler. Des Weiteren absolvierte er zwei Praktika als Maler und in einem Kindergarten.
Herr B. wirkt auf mich hinsichtlich seiner Zukunftsplanung sehr engagiert und aktiv, er will etwas bewegen, möchte Struktur in sein Leben bringen. Durch seine lange Drogenkarriere verfügt er jedoch nach eigenen Angaben über ein geringes Selbstbewusstsein und ist sich oft unsicher, wie er seine beruflichen Ziele und Vorstellungen umsetzen könnte. Er möchte gern eine Selbsthilfegruppe für Drogenabhängige gründen sowie entsprechende Aufklärungsarbeit leisten. Sein großes Ziel ist eine Ausbildung im sozialen Bereich. Er wünscht sich von mir Informationen über Ausbildungsberufe (Zugangsvoraussetzungen) sowie praktische Hilfen bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen und Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche (sicheres Auftreten).
In den nächsten Sitzungen werde ich ihm Informationsmaterial zu verschiedenen sozialen Berufen und zum Freiwilligen Sozialen Jahr zur Verfügung stellen, um ihm bei einer Entscheidungsfindung behilflich zu sein.

Anstoß zu Alternativen gegeben
Frau F. begann nach ihrem Hauptschulabschluss eine Ausbildung als Hauswirtschafterin, welche sie jedoch nicht abschloss. Danach war sie vier Jahre in der Gastronomie angestellt. Weil sie jedoch noch keine Berufsausbildung hatte, machte sie einen Abschluss als staatlich geprüfte Kosmetikerin. Seither ist sie Arbeit suchend.
Ich schätze Frau F. als zuverlässig und lernbereit ein. Meiner Meinung nach ist es ihr bisher leider noch nicht gelungen, ihre persönlichen Stärken gegenüber Arbeitgebern auszudrücken. Für ihre berufliche Zukunft wünscht sich Frau F. eine Anstellung, deren Arbeitszeiten mit der Betreuung ihrer Tochter vereinbar sind: als Kosmetikerin oder Bürohilfe, im Verkauf oder alternativ eine zweite Ausbildung (Sozialversicherungsfachangestellte, Bürokauffrau, Sozialassistentin). Meine Aufgabe in der Zusammenarbeit lag darin, sie bei der Herausarbeitung von Alternativen zu unterstützen.
Im Hinblick auf Berufsausbildungen besprachen wir mögliche Vor- und Nachteile, Zugangsvoraussetzungen, Finanzierungsperspektiven und in Frage kommende Bildungseinrichtungen. Die Zusammenarbeit war insofern erfolgreich, da sich Frau Franke für eine Ausbildung zur Sozialassistentin bewarb, von der Berufsschule angenommen wurde und sich im Moment um Finanzierungsmöglichkeiten durch BAFöG kümmert. Eine Perspektivklärung in Bezug auf ihre berufliche Zukunft ist somit gelungen.

Ermutigung ist wichtig
Ermutigung ist wichtig Herr P. lebt noch im elterlichen Haushalt, was seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Selbstständigkeit in gewisser Weise einschränkt. Er hat die Förderschule und ein BVJ absolviert. Er wirkt schüchtern, andererseits ist er ein sehr optimistischer, hilfsbereiter und kontaktfreudiger Mensch. Hinsichtlich unserer Zusammenarbeit schätze ich ihn als sehr zuverlässig ein. Er bereitet sich stets auf unsere Gespräche vor. Für seine berufliche Zukunft könnte sich Herr P. eine Anstellung im Bereich der Lagerarbeit, aber auch in der Alten- und Tierpflege, Landwirtschaft, Gartenarbeit oder als Küchenhilfe vorstellen. Er scheint aufgrund seiner Lernbeeinträchtigung oft benachteiligt worden zu sein. Von mir wünscht er sich Unterstützung bei der Kontaktherstellung mit Arbeitgebern, bei der Stellensuche und insbesondere beim Abbau von Unsicherheiten bei Vorstellungsgesprächen sowie beim Anfertigen von Bewerbungsunterlagen.
Herr P. motiviert unsere Zusammenarbeit. Beispielsweise wandte er sich nach der Exploration von Betätigungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft sofort nach unserem Gespräch an einen entsprechenden Betrieb. Die Aussichten auf einen Praktikumsplatz und auf eine anschließende Lehrstelle waren nicht schlecht, letztlich konnte die Geschäftsführung jedoch aus finanziellen Gründen niemanden mehr einstellen. Schwerpunktmäßig arbeiteten wir an der Vervollständigung seiner Bewerbungsunterlagen und der Herausarbeitung seiner besonderen Stärken, Interessen und Fähigkeiten. Ich begleitete ihn zu Vorstellungsgesprächen, um Feedback geben zu können. Es hat geklappt. Er wurde nach zirka acht Wochen Zusammenarbeit in einem Lager mit Schichtbetrieb eingestellt. Ich rufe ihn immer mal wieder an und erfahre, dass er mit seiner Tätigkeit sehr zufrieden ist.

 
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