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Gründergilde Drucken

Projektbeschreibung

Offen für Erwerbslose, bevorzugt für ALG-I- und ALG-II-Empfänger mit Lebens- und Berufserfahrung, aber auch für junge Menschen, die eigene Verantwortung tragen wollen und die sich mit dem Gedanken tragen, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Doch als Existenzgründer wird man nicht geboren. Gerade bei diesem Schritt braucht es Unterstützung, Information und kluge Kalkulation. Das bieten wir Ihnen in unserer EXISTENZGRÜNDERGILDE, einem Bundesmodellprojekt, das aus Bundesmitteln, dem Europäischen Sozialfonds und kommunalen Geldern finanziert wird.

Der Idee der "Gründergilde" liegt die Überlegung zugrunde, dass diese in relativer Armut lebenden Menschen nicht nur aus Defiziten und Misserfolgserlebnissen bestehen, sondern auch Wünsche, Pläne, Fähigkeiten, Leistungswillen, Entdeckerfreude besitzen. Der Wunsch nach Arbeit ist bei ihnen nicht in erster Linie mit einer hohen Einkommensvorstellung verbunden, sondern mit dem Wunsch nach Unabhängigkeit von einem frustrierenden Bewerbungs-, Ablehnungs- und Nachweismarathon, bei dem das Subjekthafte des Einzelnen verloren geht. Nicht mehr "auf ein Amt angewiesen zu sein", stellt daher für viele Langzeitarbeitslose die Motivation dar, an eine Existenzgründung zu denken und diese zu wagen.

Erfahrungen besagen, dass Existenzgründungen aus Arbeitslosigkeit nicht weniger erfolgreich verlaufen können als aus anderen Verhältnissen. Dennoch entsprechen ALG-II-Empfänger, Menschen über 50, Aussiedler oder Migranten mit Sprachproblemen nicht dem Bild des klassischen Unternehmers, der sich souverän im Business bewegt. Nicht das Eigenkapital, das angelegt sein will, sondern die Aussichtslosigkeit auf anderem Wege den Lebensunterhalt zu verdienen, ist hier der Auslöser für Unternehmer-Tätigkeit.

In einer globalisierten, digitalisierten und ständig auf Verschlankung (Arbeitskräftefreisetzung) bedachten Arbeitswelt, müssen auch Arbeitnehmer neue Wege gehen und ein eigenes Erwerbsmanagement aufbauen, um sich aus der persönlichen Armutsverwaltung zu befreien. Die Existenzgründung in Vollzeit kann dabei eine Methode sein, aber auch das zweite Standbein neben dem stundenweisen Job darstellen. Bürger vor Ort müssen mit ihrem Humankapital eine ähnliche Flexibilität und Dynamik erlangen wie das Kapital, allerdings nicht global sondern lokal und regional. Diesen Ansatz will die "Gründergilde" befördern und dabei ein neues Methodeninstrumentarium einführen.

Innovative Grundsätze

Zu den innovativen Grundsätzen gehören:

  • Keiner gründet für sich allein. Die Gründer präsentieren und reflektieren ihre Ideen und Überlegungen nicht nur sich selbst, sondern vor einer "mitbetroffenen" Gruppe, die Korrektur- und Controllingfunktion übernimmt. Die Gefahr, dass die Gründungsidee zu einer fixen Idee wird, ist dadurch geringer.

  • Die Arbeitslosen werden nicht in einem Drei-Tage-Gründerlehrgang auf ihre Unternehmenstätigkeit vorbereitet, sondern in einem 12monatigen stufenweisen Prozess.

  • Der Einsatz von erfahrenen Paten aus der Wirtschaft als Erstansprechpartner für alle Gründungswilligen bezieht die Außen- und Praxisperspektive von vornherein mit ein.

  • Der Gedanke des Best-Praktice-Lernens steht im Mittelpunkt. Senior-Experten und erfolgreiche Gründer gehören zum Dozentenpool. Der Echtheitsbezug wird dadurch gefördert.

  • Die Befähigung zur Existenzgründung wird als Coaching verstanden, das mit seinen Unterrichts-, Betreuungs- und Trainingseinheiten individuell aufgebaut ist (einschließlich Deutsch als Fremdsprache).

  • Die Gruppendynamik ermöglicht Synergieeffekte, die organisatorisch, materiell, ideell, finanziell und fachlich für jeden einzelnen Gründer von Vorteil sind (z. B. geteilte Räume, gemeinsame Vertriebswege, Mehrfachnutzung von Technik, Aufbau einer Gründerkasse).

  • Es werden Gruppenrituale entwickelt (Gründer-Frühstück, Krisen-Gruppe, Erfahrungs-Stunde u. a.), die auch nach Projektende den Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützungskultur befördern.

  • Der Grundgedanke ist, die eigene Verantwortung wahrzunehmen und von der Solidarität der Gruppe gestützt zu werden.

 
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